Haus 1 Ein Längsdeelenhaus von 1714

Längsdeelenhaus von 1714
Längsdeelenhaus von 1714


Über dreihundert Jahre ist es her, dass unter vieler Menschen Hände dies Haus gebaut wurde. Steinmetze hauten sorgfältig die Steine für das Fundament und den Sockel, Zimmerleut richteten frische Eichenbalken aus dem angrenzenden Reinhardswald und fügten sie zu einem Werk, das bis heute Bestand hat.

Der Lehm für die Gefache wurde in der nahen Lehmkuhle geholt, die Sandsteinplatten für die Dacheindeckung von der Weser heraufgeschafft.

Ein wenig Schnitzwerk zur Zierde und die Inschrift über dem großen Deelentor zeugen bis heute vom Stolz über das Vollbrachte.

Viele Menschen sind in diesem Haus geboren und gestorben - etwa 12 ganze Generationen haben in diesem Haus gearbeitet, gegessen, geschlafen, Kriege überstanden. Ihr weniges Vieh wohnte mit ihnen zusammen und spendete Wärme im Winter, die Ernte des Sommers lagerte unter dem großen Giebel und im kühlen Keller.

Geheizt wurde wenig – die Kleidung und die Nähe zu anderen Menschen und zum Vieh hielt warm, Wasser wurde von einer der zahlreichen Quellen geholt und sparsam verwendet.

 

Irgendwann, es mag auch schon gute 100 Jahre her sein, gab es Erfindungen, die das Leben erleichterten: nach und nach zogen richtige Öfen ein, Schornsteine wurden gebaut, eine Wasserleitung, dann auch Abwasser und später eine Toilette. Auch die Umgebung änderte sich, Straßen wurden befestigt, der nahe Fuldebach in ein tiefes, festgemauertes Bett gezwungen, die Tiere verschwanden nach und nach aus dem Dorf, erste Lastkraftwagen und Autos fuhren und für das Haus begann eine schwierige Zeit.

 

Die großen Fachwerkhäuser waren nicht mehr der Stolz der Generationen, Zeichen von Selbstbewusstsein und Würde, sondern von Rückständigkeit und bäuerlicher Armut. Wer konnte, zog weg aus dem engen Dorfkern und baute „städtisch“, am Rand des Ortes, weg von den Misthaufen, dem täglichen Einheizen, den dunklen, niedrigen Kämmerchen.

Wer sich nicht leisten konnte wegzuziehen, versuchte aus seinem Haus etwas „städtisches“ zu machen. Rigips und Nut-und-Federbretter machten aus schiefen, verputzen Fachwerkwänden gerade, die zwei- und dreiflügligen Sprossenfenster mussten einflügligen weichen, die großen stolzen Deelentore wurden zugemauert, Ebenen eingezogen, irgendwie die Bäder gefliest und Heizkörper an die Wände geschraubt.

 

Trotzdem haben einige dieser Häuser überlebt, so auch dieser Schatz!

Zwar hat es gelitten unter Baumarkt-Einbauten, falscher Farbe, Zement, Kunststoffen, Fliesen und Teppichböden, schlecht verlegten Leitungen und einem Wasserschaden, aber - oh Wunder - die Grundsubstanz ist erhalten, die Arbeit der Steinmetze, Zimmerleut und Handwerker hat die Schmach überdauert und wenige Container trennen den neuen Bewohner von einem Haus, aus dem mit Zeit, Arbeit und Liebe zum Detail ein wahres Schmuckkästchen werden kann.

 

Was kann aus dem Haus werden? Ein großzügiges Wohnhaus, hell, kühl im Sommer, behaglich gewärmt von Kachelofen und Wandheizung im Winter, mit sinnvoller moderner Technik ausgestattet; die schmalrahmigen, gesichtsgebenden Kastenfenster stehen im Kontrast zum dunklen Eichenfachwerk und dem hellen Kalkputz. Massive Holzböden und ein freundlicher, heller Lehmputz passen zu den alten Türen. Die großen Sandsteinplatten in der Deele werden durch Kindergeburtstage und Hundepfoten nur noch schöner. Im Garten hinter dem Haus rankt Kapuzinerkresse am Zaun, frische Salatköpfe wollen geerntet werden, die Hühner nebenan freuen sich auf die Reste… es darf geträumt werden!

 

Grundstücksgröße: 519qm, Wohnfläche 152 qm

 

Alle hier gemachten Angaben sind gewissenhaft zusammengetragen worden, erheben aber nicht den Anspruch auf unbedingte Richtigkeit. Daher muss darauf hingewiesen werden, dass Irrtümer vorbehalten sind.